Thesis · 2022
Urban-Mining-Design
- Art
- Wissenschaftliche Thesis
- Untertitel
- Wege zu einer kreislaufgerechten und nachhaltigen Gebäudeplanung
- Semester
- Wintersemester 2021/22
- Hochschule
- RWTH Aachen
- Lehr- und Forschungsgebiet
- Bauplanung und Baurealisierung
- Masterarbeit
- Hafentor Münster
Die Bauindustrie ist der ressourcenintensivste Wirtschaftszweig und der größte Abfallerzeuger. Die Thesis untersucht, wie sich der Gebäudebestand als Rohstofflager nutzen lässt und welche Entscheidungen schon im Entwurf ein späteres sortenreines Trennen und gleichwertiges Recycling ermöglichen. Die Strategien flossen direkt in den Entwurf des Hafentors ein.
Die Arbeit beginnt bei den Zahlen: 2017 wurden weltweit rund 90 Milliarden Tonnen Rohstoffe verbraucht, mehr als dreimal so viel wie 1970, und bis 2050 sollen es ohne Gegenmaßnahmen 180 Milliarden Tonnen werden. 2018 entfielen in Deutschland 650 von 1.373 Millionen Tonnen Rohstoffverbrauch auf das Bauwesen, und mit 218,8 von 417,2 Millionen Tonnen fiel dort auch der größte Teil des Abfalls an. Zwar werden knapp 90 Prozent der mineralischen Bauabfälle verwertet, doch meist als Downcycling, im Straßenbau oder als Verfüllmaterial.
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Von dort führt die Thesis durch die Begriffe und den Rechtsrahmen der Kreislaufwirtschaft, von technischen und biologischen Kreisläufen über Kreislaufwirtschaftsgesetz und Mantelverordnung bis zum Ressourceneffizienzprogramm ProGress. Dann stellt sie das Urban Mining vor, das die Stadt als Rohstofflager begreift: Allein der Hoch- und Tiefbaubestand in Deutschland umfasste 2010 knapp 28 Milliarden Tonnen Material. Doch Verbundwerkstoffe und unlösbare Verbindungen machen eine sortenreine Trennung schwer oder unmöglich.
Den Schwerpunkt bilden sieben Entwurfsstrategien, vom Städtebau über Kubatur, Struktur und Haustechnik bis zu Fügung und Material, digitaler Dokumentation und Kosten. Dahinter steht der Gedanke, dass Städte und Bauwerke die Rohstofflieferanten der Zukunft sind: Was sich später sortenrein zurückgewinnen lässt, wird schon im Entwurf festgelegt, etwa durch Klemmen statt Kleben, durch Monomaterialien oder durch leicht zugängliche Leitungen. Das Fazit fordert ein neues Materialverständnis in der Architektur, aus dem eine eigene Ästhetik entsteht.


